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Selbstständig machen als Anwalt: Das brauchen Sie für die Kanzleigründung

Wer eine Kanzlei gründen möchte, muss Unternehmergeist, Kreativität und den Willen zum Erfolg mitbringen. Wir verraten, was Anwälte sonst noch brauchen, um erfolgreich in die Selbständigkeit zu starten.

 

Als Anwalt muss man zum Glück nur einen überschaubaren Betrag investieren, um eine eigene Kanzlei zu gründen. In anderen Branchen ist der Schritt in die Selbständigkeit deutlich kapitalintensiver. Einen Überblick über die Mindestausstattung, die formalen Voraussetzungen und die Must-haves aus unternehmerischer Perspektive liefert unsere Checkliste.

Sie gilt übrigens auch für alle, die als Projektjuristen mit VARIO zusammenarbeiten möchten, denn eine selbständige Tätigkeit als Rechtsanwalt ist dafür Voraussetzung.

 

Zulassung als Anwalt

Wer sich als Anwalt selbstständig machen möchte muss - logisch - als Anwalt zugelassen sein. Außer der Befähigung zum Richteramt müssen Juristen dafür nur wenige weitere Voraussetzungen erfüllen. Das sind:

  • geordnete finanzielle Verhältnisse
  • keine strafrechtlichen Verurteilungen, die des Berufs unwürdig machen
  • eine Berufshaftpflichtversicherung
  • der Verzicht auf weitere Tätigkeiten, die mit dem Beruf des Rechtsanwalts unvereinbar sind - zum Beispiel Tätigkeiten im öffentlichen Dienst oder stark vertriebliche Tätigkeiten, wie die eines Versicherungsmaklers.

Die Rechtsanwaltszulassung gibt es auf Antrag bei der für den Kanzleistandort zuständigen Rechtsanwaltskammer.

 

Berufserfahrung

Berufserfahrung ist nicht zwingend notwendig, wenn man sich als Anwalt selbstständig machen möchte, aber sie ist sicherlich sehr hilfreich. Wer zwei bis drei Jahre in einer größeren Kanzlei gearbeitet hat, kennt das Geschäft und kann im Vergleich zu Berufsanfängern sowohl das eigene Business besser steuern als auch seinen Mandanten besseren Gewissens vermitteln, dass man die Mandate im Griff hat.

Außerdem verfügen berufserfahrene Anwälte bereits über ein Netzwerk, über das sie den einen oder anderen Mandaten für die neue Kanzlei gewinnen können.

 

Kanzlei

Für Rechtsanwälte gilt die Kanzleipflicht. Das heißt: Der Gründer braucht einen Ort, an dem er seine Tätigkeit ausübt und an den Post gesendet werden kann.

Die Büromiete ist einer der größten Kostenfaktoren einer kleinen Kanzlei. Wer den finanziellen Druck minimieren möchte, sollte deshalb möglichst schlank starten. Da es keine besonderen Anforderungen an die Räumlichkeiten gibt, können Gründer ihre Kanzlei grundsätzlich auch zu Hause oder in einer Bürogemeinschaft betreiben.

 

Arbeitsplatz

Zum Glück brauchen Anwälte nicht viel, um arbeiten zu können: Einen Schreibtisch, einen Computer, ein Telefon - das reicht bereits. Auf dem Rechner müssen sie Zugang zu juristischen Datenbanken und zum besonderen elektronischen Anwaltspostfach (beA) haben, außerdem eine Kanzleisoftware, Office-Programme und je nach Spezialisierung andere sinnvolle Anwendungen.

 

Mitarbeiter

Neben der Büromiete sind Mitarbeiter, wie zum Beispiel eine Assistenz, der zweite große Kostenfaktor und bringen einen hohen monatlichen Umsatzdruck mit sich. Deshalb sollten sich Gründer genau überlegen, ob sie die administrativen Aufgaben anfangs selbst erledigen können und wollen.

Eine Alternative zu Festangestellten sind Freelancer, die einen Teil dieser Aufgaben übernehmen können. So gibt es nicht nur virtuelle Sekretariate, auch freiberufliche Rechtsanwaltsfachangestellte bieten online ihre Dienste an.

 

Versicherungen

Eine Berufshaftpflichtversicherung für Anwälte ist Pflicht und Voraussetzung für die Anwaltszulassung. Gründer müssen sich außerdem um eine gesetzliche oder private Krankenversicherung kümmern und sollten sich über die Altersvorsorge Gedanken machen. Die meisten Länder haben Versorgungswerke für Rechtsanwälte eingerichtet, die über freiwillige oder Pflichtmitgliedschaften verfügen. Eine Berufs- oder Erwerbsunfähigkeitsversicherung kann ebenfalls sinnvoll sein.

 

Rechtsdokumente: Datenschutz & Co

Wer in eine Selbstständigkeit startet und Mandate abschließen möchte, braucht eine ganze Reihe Rechtsdokumente. Dazu gehören Mandats-, Gebühren- und Vergütungsvereinbarungen ebenso wie Vertraulichkeitsvereinbarungen und alles rund um das Thema Datenschutz, insbesondere Datenschutzerklärung, Verarbeitungsverzeichnis und „Technische und organisatorische Maßnahmen“. Entsprechende Muster bietet zum Beispiel der Deutsche Anwaltverein an.

 

Anmeldungen bei Behörden

Wie jeder Selbstständige müssen auch Anwälte ihre Tätigkeit beim Finanzamt melden, als Freiberufler aber kein Gewerbe anmelden.

Eine Meldung bei der Arbeitsagentur ist nur notwendig, wenn Mitarbeiter in der Kanzlei angestellt werden sollen. Dann erteilt die Agentur eine Betriebsnummer, mit der die Mitarbeiter bei den Sozialversicherungen angemeldet werden können.

 

Businessplan

Für Rechtsanwälte gilt wie für alle anderen Unternehmer: Vor der Selbstständigkeit sollte man die wichtigsten Fragen zur Positionierung und Strategie beantworten können:

  • Was kann ich gut und was will ich gerne machen?
  • Welches Angebot möchte ich welchen Zielgruppen machen?
  • Gibt es dafür eine Nachfrage an meinem Standort und wie ist die Konkurrenz?
  • Kann ich mit meinem Angebot Geld verdienen und dauerhaft schwarze Zahlen schreiben?
  • Wie werde ich Mandanten akquirieren?
  • Wofür möchte ich als Anwalt mit meiner Kanzlei stehen?

Die Beantwortung dieser Fragen zusammen mit einer Kalkulation der wirtschaftlichen Kennzahlen ergibt den Businessplan. Die örtlichen IHKs, zum Beispiel in München, bieten dafür Formulare und Vorlagen an, sie sind natürlich auch online von verschiedenen Anbietern verfügbar. Einige Rechtsanwaltskammern bieten an, den fertigen Businessplan zu prüfen und geben ihre Einschätzung zu den Erfolgsaussichten der Gründung ab.

 

Finanzierung

Gerade in den ersten beiden Jahren der Selbständigkeit, wird es immer wieder Monate mit wenig Umsatz geben. Das sollte jeder Gründer einkalkulieren und über einen entsprechenden finanziellen Puffer in Form einer Liquiditätsreserve verfügen. Wer nicht genug auf der hohen Kante hat, kann dafür einen Gründungskredit aufnehmen, den es zu besonders günstigen Konditionen gibt. Wie hoch der Finanzierungsbedarf genau ist, hängt vom Eigenkapital, der Umsatzprognose und den eigenen Ansprüchen ab.

In der Startphase können von VARIO vermittelte Projektmandate Teil des Finanzierungsplans sein. Sie sorgen für einen Basisumsatz und überbrücken Zeiträume mit geringer Auslastung durch andere Mandate.

 

Folgende Kosten können anfallen:

Beim Start der Kanzlei

  • Erstausstattung des Arbeitsplatzes
  • Ausstattung des Büros und Maklercourtage
  • Kanzleimarke und Corporate Design
  • Website, Visitenkarten, Briefpapier, Kanzleischild etc.
  • Beratungskosten für die Gründung (z.B. Steuerberater, Datenschutz)

 

Laufende Kosten

  • Personalkosten inkl. des eigenen Verdienstes
  • Büromiete plus Nebenkosten und Reinigung
  • Akquisitions- und Marketingkosten
  • Kosten für Kanzleisoftware, Software und Online-Tools
  • Bürobedarf
  • Versicherungen
  • Telefon, Internet, Strom, Wasser
  • Seminar- und Weiterbildungskosten
  • Reisen und Bewirtung
  • Buchhaltung & Steuerberatung
  • Beiträge zu Verbänden und Kammern

 

Logo & Corporate Design

Die Grundlage für die erfolgreiche Vermarktung der Kanzlei ist eine klare Positionierung und ein unverwechselbares Profil. Im besten Fall hat der Gründer Alleinstellungsmerkmale identifiziert, die ihn und seine Leistung in seinem Wettbewerbsumfeld einzigartig machen. Bietet er zum Beispiel Beratungsleistungen an, die es in der Region sonst bei keinem anderen Anwalt gibt? Zielt er auf eine spitze Zielgruppe, die keiner außer ihm adressiert? Ist er der einzige Wirtschaftsrechtler im näheren Umkreis, der junge Gründer in der Sprache der Zielgruppe über Social Media zu gewinnen versucht?

Positionierung und Profil sind Basis für die Entwicklung des Kanzlei-Logos und des Corporate Designs. Auf Online-Plattformen kann man beides bereits für wenige hundert Euro in Auftrag geben. Wer Wert auf Beratung und individuelle Betreuung legt, muss für eine Agentur vor Ort deutlich höhere Kosten einplanen.

 

Webseite, Visitenkarten & Co

Für die Kanzlei-Webseite gilt, wie für das Corporate Design, dass Gründer schon für wenig Geld eine passable Lösung erhalten. Mit einem Online-Baukasten können sie selbst schnell und günstig ihre Visitenkarte im Netz erstellen. Agenturen und Freelancer liefern individuellere Ergebnisse zu deutlich höheren Preisen.

Die neue Kanzlei benötigt außerdem weitere Ausstattung wie Briefkopf, Kanzleischild, E-Mail-Signatur, Visitenkarten oder Notizblöcke im Corporate Design - auch diese Gestaltung übernehmen Agenturen und Freelancer.

 

Marketing & Vertrieb

Für jede Kanzlei ist ein Profil bei Google My Business Pflicht, damit die Kanzlei in der Suchmaschine gut gefunden wird und Mandanten dort positive Bewertungen abgeben können.

Gründer sollten darüber hinaus gerade am Anfang verschiedene Marketing- und Vertriebskanäle testen und sich später auf diejenigen konzentrieren, die für sie am erfolgreichsten sind.

Aktivitäten in sozialen Netzwerken, klassisches Networking auf thematisch geeigneten Veranstaltungen vor Ort oder Vortragsaktivitäten können ebenso Mandate bescheren wie Mund-zu-Mund-Propaganda von zufriedenen Mandanten, die man anstoßen und incentivieren kann.

Der Geheimtipp für Gründer wirtschaftsberatender Kanzleien: VARIO kann sie von Anfang an als zusätzlicher Vertriebskanal unterstützen. Selbstständige Anwälte können diese Möglichkeit nur für eine bestimmte Zeit nutzen oder dauerhaft als Projektjurist tätig sein und mit VARIO Legal kooperieren.