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Legal Design Summer School: Recht besser vermitteln

Am 20. und 21.8. fand die Legal Design Summer School in Berlin statt. Studierende der Rechtswissenschaft, Referendare und Young Professionals konnten Legal Design am Beispiel der Innovationsmethode Design Thinking hautnah kennenlernen und anwenden. VARIO Legal war gemeinsam mit Pinsent Masons, This is Legal Design und smartvokat Partner der Veranstaltung.

 

Worum ging es bei dem Event?

 

Prof. Dr. David Stoppelmann: Initiator der Veranstaltung war eLegal, eine studentische Legal Tech Initiative, die auch mit der BSP Business & Law School in Berlin kooperiert. eLegal hat uns von Pinsent Masons und VARIO angefragt, ob wir die Veranstaltung unterstützen und daran mitwirken möchten. Da mussten wir nicht lange nachdenken. 

 

Prof. Dr. Peter Christ: Für uns als Kanzlei gab es zwei Treiber: Wir konnten inhaltlichen Input beisteuern und kamen schnell auf das Thema „Workation“. Die Möglichkeit für digital arbeitende Arbeitnehmer, vom Ausland aus zu arbeiten und die Herausforderung für ihre Arbeitgeber, das rechtssicher möglich zu machen, beschäftigen uns in der Kanzleiarbeit derzeit sehr stark. Wir waren deshalb begeistert von der Idee, den Blickwinkel gerade der jüngeren Generation kennenzulernen, für die das eine große Rolle spielt. 

 

Der zweite Treiber war für uns der Angang von Rechtsfragen mit Hilfe von Legal Design. Legal Design ist unseres Erachtens sehr relevant für alle, die rechtsgestaltend tätig sein wollen. Egal ob im Studium oder als erfahrener Berufsträger: Es lohnt sich immer, sich zu fragen, wie man Recht besser vermitteln kann. Auch die Kollegen, die vor Ort waren, haben bei der Summer School viel mitgenommen – oder? 


Sarah Klachin: Auf jeden Fall! Ich habe sehr viel gelernt – auch und gerade, weil ich mich mit dem Thema Legal Design zuvor nicht beschäftigt habe. Zuallererst habe ich gemeinsam mit allen Teilnehmern gelernt, dass es gar nicht nur rein um eine technische Lösung geht, sondern darum, sich mit einer breiten Aufgabenstellung zu befassen – die dann am Ende möglicherweise durch digitale Anwendungen gelöst wird, was aber keineswegs zwingend ist. 

 

Es ging also gar nicht per se darum, eine Legal-Tech-Lösung zu entwickeln? 

 

Peter Christ: Nein, ausdrücklich nicht! Es geht darum, sich zu überlegen, wie man ein juristisches Problem so löst, dass der User einen einfachen Zugang dazu hat; das kann auch mit Stift und Papier passieren. 

 

David Stoppelmann: Erfahrungsgemäß fällt es uns Juristen manchmal schwer, einen so offenen Angang an eine Problemstellung zu wählen, wir sind ja daran gewöhnt, äußerst lösungsorientiert zu arbeiten. Aber die Teilnehmer haben das extrem schnell hinbekommen. Wir hatten aber auch einfach großartige Teilnehmer: Trotz des sehr jungen Durchschnittsalters hatten viele Teilnehmer schon Erfahrung damit, juristische Herausforderungen auf neuen Wegen zu lösen. Einige arbeiten zum Beispiel in Legal-Tech-Startups, eine Teilnehmerin behauptete gar, sie habe an allen Legal Hackathons der letzten Jahre in Deutschland teilgenommen. Andere hatten sich mit dem Thema wiederum noch gar nicht befasst. Aber alle wurden von dem Legal-Design-Ansatz gleichermaßen abgeholt. 

 

Überhaupt hat es mich sehr beeindruckt, die Arbeitsweise der jungen Kollegen zu beobachten: Neben der Leidenschaft und dem Engagement, das sie an den Tag legten, haben mich ihre Vertrautheit und die wirkliche Bereitschaft zur Zusammenarbeit richtiggehend begeistert – das war echtes Teamwork. Man hatte den Eindruck, sie hätten nie etwas anderes gemacht. 

 

Was haben sie denn konkret gemacht? 

 

Klachin: Wir von Pinsent Masons haben zu Beginn vor allem versucht, den Teilnehmern die teils sehr komplexen rechtlichen Themen rund um die Workation etwas näher zu bringen. Während des gesamten Workshops haben wir die Teams begleitet und insbesondere versucht, ihnen durch ein paar Erfahrungen aus unserer täglichen Arbeitspraxis ein bisschen besser zu veranschaulichen, welchen Herausforderungen die verschiedenen „Player“ in diesem Prozess, Arbeitgeber, Arbeitnehmer, HRler etc., sich stellen müssen. In Bezug auf das konkrete Thema „Legal Design“ übernahmen die Coaches von „This is Legal Design“. Die Teilnehmer erfuhren, was Legal Design ist, auch anhand von anschaulichen Beispielen.


Stoppelmann: Natürlich gab es auch ein Warm-Up mit Möglichkeiten, sich kennenzulernen, und die wunderschöne Siemens Villa als Location tat ihr Übriges – es war eine tolle Stimmung. Gearbeitet wurde in vier Gruppen, die einzelnen Schritte eines Legal-Design-Prozesses wurden jeweils vorgestellt, besprochen und dann in der Gruppe umgesetzt. Das geschah immer mit Blick auf den straffen Zeitplan, schließlich sind zwei knappe Tage für ein rechtlich so komplexes Projekt nicht viel. Es ging dann viel um das Thema Fokus: Die Coaches hielten die Teilnehmer stark dazu an, sich für ihre Lösung auf eine bestimmte Zielgruppe zu konzentrieren. 

 

Was haben die Gruppen dann entwickelt? 

 

Klachin: Nach zwei Tagen, an denen alle viel mit Post-Its, Papier und Flipcharts gearbeitet haben, stellten die vier Gruppen Lösungen für verschiedene Zielgruppen vor. Es gab zwischendurch schon mehrere Mini-Pitches, bei denen die Gruppen auch von den Coaches beraten wurden und Feedback bekamen. 

 

Am Ende wurden vier Vorschläge vorgestellt, die alle auf digitale Weise umzusetzen wären. Sie fokussierten sich, wie gelernt, stark auf die jeweilige Zielgruppenperspektive: Es gab die Idee einer Software für Arbeitgeber, bei denen ein Mitarbeiter eine Workation machen möchte, aber auch eine Lösung für Arbeitnehmer, die eine Workation planen und im Netz erfahren möchten, welche Schritte sie dafür gehen und welche Behörden sie informieren müssen. Sogar für Gründer, die Workations von Beginn an in ihrem Unternehmen ermöglichen wollen, wurde ein Lösungsvorschlag präsentiert. Zur Vorstellung der Lösungen gab es dann Logos, Videos und andere Ansätze. 


Welche Gruppe hat bei der Preisverleihung denn gewonnen? 

 

Klachin: Wir waren uns in der Jury sehr schnell einig, welches Team den ersten Platz verdient hatte: Das Team, das ein Produkt für die Personalabteilung eines mittelständischen Unternehmens entworfen hat, die eine Anfrage vom Mitarbeiter bekommt, der eine Workation machen möchte. Das Team hat sich an die Drei-Minuten-Vorgabe für den Pitch gehalten, sein Produkt innerhalb dieser Vorgabe effektiv, schnell und bestmöglich verkauft – wir sahen die von viel zu vielen Mails dauerhaft überforderte Personalsachbearbeiterin quasi vor uns. Und die Lösung, die sie jetzt durch ein komprimiertes Tool führt, das ihr alle nötigen Schritte einfach und praxisnah vorgibt, ebenso. 

 

Fließen diese Ergebnisse nun in Ihre anwaltliche Arbeit ein? 

 

Christ: Selbstverständlich profitieren wir davon. Wir sind bei der Konzeption einer technischen Lösung für das Angebot rechtssicherer Workations für unsere Mandanten schon sehr weit fortgeschritten. Es war aber sehr lehrreich für uns, andere Blickwinkel kennenzulernen und uns selbst daraufhin zu überprüfen, was man noch machen oder aufnehmen könnte – es gab zum Beispiel den Vorschlag, rechtliche und praktische Hilfestellung auch später bei der Umsetzung der Workation im Urlaubsland anzubieten. Vor dem Hintergrund des zunehmenden Fachkräftemangels und dem Willen von Unternehmen, ihre Mitarbeiter an sich zu binden, wird es ganz sicher eine große Erleichterung sein, wenn Arbeitnehmer ihre Workation einfach per Tool beantragen und Unternehmen die erforderlichen Schritte auch digital umsetzen können. 

 

Stoppelmann: Außerdem werden wir sicherlich mit einigen Teilnehmern der Legal Design Summer School in Kontakt bleiben. Es ist spannend, junge Menschen zu treffen, die nicht nur richtig gut Jura können, sondern auch bei der Vermittlung von Recht neue Wege gehen wollen.   

 



Prof. Dr. Peter Christ ist Partner im Düsseldorfer Büro von Pinsent Masons mit den Schwerpunkten Arbeitsrecht und Compliance. 

 

Prof. Dr. David Stoppelmann ist ebenfalls Partner im Düsseldorfer Büro von Pinsent Masons. Er ist spezialisiert auf die Bereiche Arbeitsrecht und Arbeitnehmerdatenschutz. 

 

Sarah Klachin, LL.M. ist Rechtsanwältin im Münchner Büro von Pinsent Masons und Fachanwältin für Arbeitsrecht.