Ein Plädoyer für Networking mit Mehrwert
Die Vorteile eines professionellen Netzwerkes sind empirisch belegt: gut vernetzte Individuen erhalten bessere Jobangebote und steigen im Durchschnitt mit einem höheren Gehalt ein. Doch wie lässt sich ein solides Netzwerk überhaupt aufbauen? Und geht es wirklich nur um Jobs und mehr Geld?
Wenn der Gedanke an die zwischenmenschliche Kaltakquise in Ihnen Unbehagen auslöst, keine Sorge! Networking kann auch anders aussehen – und dabei näher in Ihrer Komfortzone liegen.
Beginnen wir damit, Networking als Langzeitinvestment zu verstehen. Nicht nur in andere, sondern vor allem in Sie selbst:
Personalbranding kann im Kleinen beginnen, aber eine wertvolle Grundlage für Ihre Networking Fertigkeiten sein. Artikulieren Sie für sich ihre Stärken, Interessen und Fähigkeiten. So können Sie sie auch im Austausch mit anderen vermitteln. Pflegen Sie noch einen passenden LinkedIn Auftritt und schon arbeiten Sie mit einer soliden Basis.
Offener Wissensaustausch ist ein weit unterschätzter Sinn und Zweck von nachhaltigem Networking. Wenn Sie selbst am Puls Ihrer Branche sind, macht Sie das automatisch zu einem interessanten Gesprächspartner. Zeitgleich öffnet es Türen für gegenseitigen Austausch, aus dem langfristige Beziehungen wachsen können. Sprechen/ Schreiben Sie aktiv über Themen, die Sie faszinieren und über eigene Erfahrungen und schon wird aus oberflächlichem Smalltalk ein anregender Austausch.
Auf diesem Fundament aufbauend, unternehmen Sie den ersten Schritt. Stellen Sie dabei potenzielle Vorteile oder Anliegen zum Selbstzweck erstmal zurück. Bleiben Sie authentisch und pflegen Sie Ihr Netzwerk in erster Linie mit der Intention, langfristige Beziehungen zu etablieren.
Seien Sie interessiert an Sache und Person, nicht nur an möglichen Vorteilen. Fokussieren Sie sich auf das, was Sie voneinander lernen können. Bevor Sie anfangen, Ihren eigenen Redeanteil zurechtzulegen, stellen Sie Fragen! Wer aufrichtiges Interesse zeigt, bekommt dies in der Regel gespiegelt.
Kommunizieren Sie Ihre Intentionen, besonders wenn Sie auf neue Kontakte zu gehen. Ein Großteil des Unbehagens beim Networking beruht auf dem gegenseitigen Gefühl, mit verdeckten Karten zu spielen. Sie bewundern das Projekt eines entfernten Kontaktes und wüssten gerne mehr darüber? Beginnen Sie genau mit dieser Aussage die Konversation! Wenn es sich falsch anfühlt, Ihre Intention offen zu kommunizieren, liegt das Problem vermutlich in der Forderung selbst und nicht an Ihrem Charisma.
Proaktiv Hilfe anbieten ist ein weiterer Weg, um Beziehungen aufzubauen, Vertrauen zu kultivieren und sich als Experte zu positionieren. Bieten Sie zuerst Ihre Hilfe an, in Ihren Bereichen von Expertise. Das kann ein persönliches Hilfsangebot an Kollegen sein, oder ein öffentliches Teilen Ihrer Erfahrungen über Plattformen wie LinkedIn. Ihr Gegenüber wird es Ihnen sicher danken und sich beizeiten revanchieren.
Fragen Sie nach Feedback. Solange das Ausmaß des angefragten Feedbacks angemessen ist, freuen sich die meisten Personen, wenn Ihre Expertise anerkannt und erbeten wird. Natürlich können Sie im Gegenzug direkt Ihre eigenes Knowhow anbieten – schon besteht ein Austausch auf Augenhöhe und Ihre eigenen Projekte profitieren von frischen Perspektiven.
Es muss nicht immer der Sprung in unbekannte Gewässer sein
Alles schön und gut, aber das Ansprechen von Fremden löst trotzdem Unbehagen in Ihnen aus? Wie wäre es dann mit Alternativen, die sich auf das fokussieren, was bereits vorhanden ist:
Reaktivieren Sie bestehende Kontakte! Wir alle haben ehemalige Professoren, Kollegen aus vorherigen Beschäftigungen, oder alte Studienfreunde, mit denen der Kontakt irgendwann eingeschlafen ist. Die Hemmschwelle sich zu melden, kann sich hier niedriger anfühlen – Fragen Sie einfach nach, wie es Ihren Kontakten seit dem letzten Zusammenkommen ergangen ist!
Vermittler sein, statt zu Vermittelnder, kann ebenfalls eine alternative Form des Netzwerkens sein. Sie haben zwei unabhängige Kontakte, die voneinander profitieren könnten? Helfen Sie Ihrem Netzwerk aus, und bei ähnlicher Gelegenheit denken Ihre bestehenden Kontakte bestimmt auch an Sie.
Routine finden und halten
Insbesondere wenn Networking nicht zu Ihren bevorzugten Aktivitäten zählt, sollten Sie es angehen wie auch andere berufliche Projekte. Mit ein wenig Strategie und Plan:
Realistische Ziele zu setzen kann Ihnen helfen am Ball zu bleiben, wenn Networking sich eher wie eine Ablenkung vom beruflichen Alltag anfühlt. Setzen Sie sich Ziele, die in Ihr Zeitmanagement passen und für Ihre Persönlichkeit und Zwecke Sinn machen. Nehmen Sie sich beispielsweise vor jede Woche einen Kontakt über LinkedIn anzuschreiben, oder versuchen Sie jeden Monat ein Business Lunch zu planen. Wichtig ist vor allem Kontinuität in der Pflege Ihres Netzwerkes!
Kontinuierliche Kontaktpflege ist am Ende des Tages mindestens genauso bedeutungsschwer, wie die Suche nach neuen Kontakten. Ein enges Netzwerk von wenigen Personen kann gleichermaßen hilfreich sein wie ein weit ausgelegtes Netzwerk mit ausschließlich losen Kontakten. Finden Sie dazu Kommunikationswege, die für Sie und Ihre Kontakte funktionieren, egal ob monatlicher Newsletter, Weihnachtskarte oder unregelmäßiger Kaffeetreff!
Versuchen Sie, Networking neu zu denken. Welche Vorteile, abseits von Jobangeboten und Aufträgen, können Sie für sich aus einem starken Netzwerk ziehen? Wo könnten Sie von langfristig angelegtem, fachlichem Austausch profitieren? Was für einen Mehrwert können Sie selbst mit ihrem Umfeld teilen?
Überlegen Sie sich zudem, wo Ihre eigene Komfortzone in der Kommunikation mit Ihrem Netzwerk liegt – und zwingen Sie sich nicht, sie komplett zu verlassen. Suchen Sie vielmehr nach einem gesunden Ausgleich, nach Kommunikationswegen, die Ihnen vertraut sind und Kommunikationszielen, die sich in Ihren beruflichen Alltag integrieren lassen. Ein nachhaltiges Netzwerk mit Mehrwert für alle Beteiligten wird folgen!