community hero

Projektjurist werden: Diese Skills sollten „VARIOS“ mitbringen

Freiheit, Flexibilität, ein guter Verdienst - die Arbeit als Projektjurist hat viele Vorteile. Glücklich wird in diesem Job, wer neben guten Qualifikationen auch ein ganz bestimmtes Mindset mitbringt. 

 

Spätestens mit dem Dieselskandal ist auch im deutschen Rechtsmarkt ein Arbeitszeitmodell angekommen, das in anderen Jurisdiktionen längst Normalität ist: In zahlreichen deutschen Kanzleien federten Projektjuristen die Peaks ab, die durch die Bearbeitung der zahlreichen Fälle in den Kanzleien entstanden. 


Dabei ist der Einsatz in Massenklageverfahren von Kanzleien eher ungewöhnlich. Projektjuristen arbeiten für ganz unterschiedliche Mandanten, häufig entlasten sie Rechtsabteilungen von den vielfältigen Aufgaben, die auf den Schreibtischen von Inhouse-Juristen landen. So etabliert sich auch in Deutschland ein Arbeitsmodell, von dem beide Seiten profitieren: Betriebe können sich für eine begrenzte Zeit genau die Expertise einkaufen, die sie brauchen. Juristen haben die Möglichkeit, projektbezogen zu arbeiten, relevante Erfahrungen bei namhaften Unternehmen zu sammeln und gleichzeitig genau so flexibel zu sein, wie es ihrer Lebenssituation gerade entspricht.

 

Doch was muss man können – und wollen, wenn man eine Karriere als Projektjurist in Betracht zieht? Die Qualifikation, die als Projektjurist erforderlich ist, unterscheidet sich kaum von der, die Kanzleien und Unternehmen an ihre festangestellten Mitarbeiter stellen. „Wir vermitteln schwerpunktmäßig Juristen, die beide Staatsexamina und eine Anwaltszulassung haben. Drei bis fünf Jahre Berufserfahrung sind notwendig, um ohne große Einarbeitungszeit in einem Unternehmen starten zu können“, erklärt Susanne Mühlbauer. Als Account Managerin bei VARIO ist sie die Ansprechpartnerin für die Projektjuristen, dort liebevoll „VARIOS“ genannt. Für Juristen, die noch nicht über so viel Erfahrung verfügen, würde es schwierig, „mehr ist hingegen natürlich hilfreich“. 

 

Einschlägige Berufserfahrung und verhandlungssicheres Englisch 

Gesammelt haben sollten angehende Projektjuristen ihre Erfahrungen in einer größeren Kanzlei oder einem namhaften Unternehmen. Eine Magic-Circle-Kanzlei oder ein DAX-Konzern müssten es allerdings nicht zwingend sein, „auch im Mittelstand bekommt man die notwendigen Einblicke“, weiß Mühlbauer. Auf ein Must-have aber weist die erfahrene Account-Managerin hin: Kaum ein Unternehmen arbeitet heute mehr auf rein nationaler Ebene, Projektjuristen müssten also verhandlungssicher Englisch sprechen und schreiben. 

 

Nun ist der Bereich des Wirtschaftsrechts groß, die Erfahrungen und der Grad der Spezialisierung in Rechtsabteilungen und Wirtschaftskanzleien können sehr unterschiedlich sein. Hochspezialisierte Experten vermittelt VARIO aber ebenso wie breiter aufgestellte Wirtschaftsrechtler. „Wer zum Beispiel im Bereich Commercial, IT, Datenschutz oder Gesellschaftsrecht tätig ist, findet in der Regel passende Projekte“, erklärt Mühlbauer, schließlich seien viele Rechtsabteilungen eher generalistisch aufgestellt. Bei ihnen landet erst einmal alles, von der Datenschutzerklärung bis zum M&A-Deal. 

 

Bei Juristen, die auf weniger verbreitete Gebiete des Wirtschaftsrechts spezialisiert sind, hänge es vom jeweiligen Schwerpunkt ab, wie gut man ihre Auslastung planen könne, sagt die Account-Managerin.

 

Es muss passen, nicht nur auf der fachlichen Ebene 

Wer sein juristisches Handwerkszeug beherrscht, komme auch in einer neuen Branche oder einem anders strukturierten Unternehmen fachlich gut klar, ist sich Mühlbauer sicher. Sie weiß, dass es um mehr geht als nur die juristischen Qualifikationen der VARIOS. 

 

Bei VARIO ordnet die Managerin nicht bloß Menschen den anstehenden Projekten zu. Die Mandanten von VARIO sind unterschiedlich, ihre Projekte und Anforderungen für Projektjuristen vielfältig. Mühlbauer und das VARIO-Team suchen deshalb genau aus, wer zu welchem Unternehmen und zu welchem Projekt passt. Entscheidend ist für Mühlbauer „der kulturelle und menschliche Fit: In ein junges, dynamisches Unternehmen mit Duz-Kultur kann man leichter einen aufgeschlossenen und eher lockeren Typ Mensch vermitteln als jemanden, der sehr förmlich ist und am “Sie” hängt“. 

 

Es muss eben passen, nicht nur auf der fachlichen Ebene. Jenseits ihrer Qualifikationen sollten Projektjuristen einige Eigenschaften mitbringen, die man nicht erlernen kann. Es liegt in der Natur ihrer Tätigkeit, dass sie sich kurzfristig nicht nur in neue Themen, sondern auch in ein neues Umfeld einfinden müssen. Sie sollten außerdem Spaß an Kommunikation haben und offen auf Menschen zugehen, erklärt Mühlbauer. „Dabei eine gewisse Souveränität auszustrahlen und dem Gegenüber zu vermitteln, dass man die Aufgaben von Anfang an im Griff hat“, hält sie für hilfreich.

 

„Manche VARIOS arbeiten gar nicht das ganze Jahr“ 

Eine Anforderung aber stellen alle Mandanten, und sie gilt für alle Projekte: „Wichtig ist eine pragmatische Arbeitsweise. In jeder Rechtsabteilung geht es darum, Business zu machen und nicht darum, wissenschaftliche Gutachten zu schreiben.“ Wer als Projektjurist arbeiten will, sollte sich also klarmachen, dass sein Job zu einem Teil aus Management bestehen kann. „Als Jurist im Unternehmen muss man zum Beispiel den Vertrag nicht nur entwerfen, sondern nachher auch dafür sorgen, dass ihn die richtigen Menschen unterschreiben“, erläutert Mühlbauer. „Man steuert außerdem die Zusammenarbeit mit externen Kanzleien, teils im Ausland. Dabei muss man das Timing im Griff haben, denn in vielen Projekten gibt es Zeitdruck und man muss Deadlines beachten.“ 

 

Für Projektjuristen und solche, die es werden wollen, hat die VARIO-Managerin noch einen anderen Rat. Einen, der die persönliche Ebene betrifft: „Projektjuristen brauchen eine gewisse Gelassenheit“, sagt sie. „Man weiß in der Rolle nicht, was man in zwei Jahren machen wird.“ Das kann Freiheit für die eine, Ungewissheit für den anderen bedeuten. Um diese Unsicherheit zu managen, empfiehlt Mühlbauer den VARIOS von morgen, mit einem möglichst schlanken Setup zu starten: „Am besten mit Laptop im Homeoffice, denn wenn der Kostendruck gering ist, ist auch der Umsatzdruck klein.“ Dann könne man von zwei bis vier Arbeitstagen pro Woche gut leben. 

 

Oder man kann, je nach Lebenssituation, auch ganz andere Modelle leben. „Manche unserer VARIOS arbeiten gar nicht das ganze Jahr, sondern legen nach jedem Projekt eine Pause ein“, erklärt Mühlbauer einen der Aspekte, die die Arbeit als Projektjurist für immer mehr Menschen interessant machen. Planbare Auszeiten vom Job, längere Pausen für die Familie oder andere Abenteuer, das ist auch vielen Juristen immer wichtiger. So kann, wer neben der guten Papierform eine gewisse Offenheit mitbringt und Freude daran hat, immer Neues zu entdecken, als Projektjurist sein großes Glück finden.